Wie Terroir die Chemie und Verarbeitungspotenziale von Teeblättern beeinflusst
Kathechin, Theanin und Polyphenol Variation in Fujian, Assam, Uji und Darjeeling Teeblatt
Der Begriff „Terroir“ bezieht sich darauf, wie Bodenbeschaffenheit, Wetterbedingungen und Landschaft gemeinsam auf molekularer Ebene die chemischen Vorgänge in Teeblättern beeinflussen. Nehmen wir beispielsweise die Provinz Fujian, wo vulkanische Böden Oolong-Tees hervorbringen, die laut einer im vergangenen Jahr im Fachjournal „Food Science“ veröffentlichten Studie rund 18 % mehr Theanin enthalten als vergleichbare Tees aus den Tieflagen Assams. Dadurch schmecken sie deutlich herzhafter und vollmundiger. Gleichzeitig weisen die berühmten Darjeeling-Plantagen, die in großer Höhe liegen, Blätter mit etwa 23 % höherem EGCG-Gehalt auf als beschattete Uji-Sorten – gemessen an diesen. Der Grund hierfür sind höhere UV-Intensität sowie Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Diese Unterschiede spielen bei der Verarbeitung der Blätter eine entscheidende Rolle: Der hohe Polyphenolgehalt Assams verträgt gut die rauen CTC-Walzverfahren, die bei der Schwarzteeherstellung eingesetzt werden; die empfindlichen Katechine Fujians hingegen erfordern während der Welkphase äußerste Sorgfalt, da sie andernfalls rasch bitter werden. Mischmeister müssen diese chemischen Unterschiede kennen, wenn sie Tees unterschiedlicher Herkunft kombinieren. Die richtige Berücksichtigung dieser Faktoren verleiht Mischungen Tiefe und Charakter; falsche Kombinationen hingegen stören den Oxidationsprozess vollständig.
Höhenlage, Boden-pH-Wert und saisonales Klima als Treiber der enzymatischen Aktivität in frischem Teeblatt
Die Höhe, in der Tee wächst, die Zusammensetzung des Bodens und der Zeitpunkt der Ernte wirken gemeinsam auf die Enzyme in den frischen Blättern ein und bestimmen so, wie diese fermentieren, oxidieren und austrocknen. So weisen Blätter, die in Höhen über 1500 Meter wachsen, laut einer letztes Jahr in der Fachzeitschrift „Food Chemistry“ veröffentlichten Studie etwa 40 % höhere Aktivität der Polyphenoloxidase auf, was auf intensivere UV-Strahlung zurückzuführen ist. Dies bedeutet, dass die Oxidation früher einsetzt. Auch die Bodenzusammensetzung spielt eine Rolle: Saure Böden mit einem pH-Wert unter 5,5 verlangsamen tatsächlich die Peroxidaseaktivität, was dazu beiträgt, das Chlorophyll intakt zu halten und die charakteristische grüne Farbe japanischer Sencha-Tees zu bewahren. In den Darjeeling-Regionen hingegen, wo starke Monsunregen Nährstoffe auswaschen, sinkt die Amylaseaktivität um rund 15 %, was zu leichteren Geschmacksnoten des Aufgusses führt. Auch die Jahreszeit macht einen Unterschied: Im Frühling geerntete Blätter fermentieren etwa 30 % schneller als im Herbst geerntete – vermutlich, weil die Pflanzen noch einen Teil ihres ruhenden Winterzustands bewahren, ihre Enzyme jedoch bereits für die Aktivität vorbereitet sind. Das Verständnis dieser Faktoren wird besonders wichtig, wenn verschiedene Teepartien, die unter unterschiedlichen Bedingungen angebaut wurden, miteinander verschnitten werden.
| Faktor | Effekt bei niedriger Höhe | Effekt bei hoher Höhe |
|---|---|---|
| Polyphenoloxidase | Mäßige Aktivität | 40 % höhere Aktivität |
| Peroxidase | pH-abhängig | Über einen breiten pH-Bereich stabil |
| Chlorophyllase | Schnelle Degradation | Stufenweise Zersetzung |
Sensorische Verträglichkeit von Teeblättern aus verschiedenen Herkunftsregionen
Aromasynergie und -konflikt: GC-MS-Analyse der flüchtigen Verbindungen gemischter Teeblätter
Die Gaschromatographie-Massenspektrometrie hilft uns zu verstehen, wie jene einzigartigen Geruchsstoffe aus verschiedenen Anbaugebieten sich in Teemischungen miteinander verbinden. Die Monoterpene, die in den hochgelegenen Darjeeling-Teeblättern reichlich vorkommen, verleihen Fujian-Oolongs ihre angenehme blumige Note. Vorsicht jedoch vor den Pyrazinen aus Assam, die das malzige Aroma erzeugen – sie können die subtilen Umami-Noten im Uji-Tee tatsächlich stark überdecken. Interessanterweise spielt das Linalooloxid eine besondere Rolle: Es gilt als Indikator für Frische bei Tees. Bei der Kombination von sonnenexponierten Blättern mit schattengewachsenen Blättern sinkt der Gehalt dieses Stoffes um etwa 18 bis sogar 22 Prozent. Dadurch wirkt das Gesamtaroma weniger lebendig, als man erwarten würde. Kurz gesagt: Das Mischen von Aromen bedeutet nicht einfach nur deren Addition – vielmehr interagieren sie auf komplexe Weise, die nicht immer offensichtlich oder vorhersehbar ist.
Umami, Adstringenz und Mundgefühl im Gleichgewicht bei der Kombination von schattengewachsenen und sonnenexponierten Teeblättern
Unter Schatten gezogene Teepflanzen wie Gyokuro enthalten etwa 40 Prozent mehr Theanin und gleichzeitig niedrigere Catechin-Konzentrationen, was ihnen jenen glatten, herzhaften Umami-Geschmack verleiht, der sie im Vergleich zu ihren sonnenexponierten Verwandten weniger bitter macht. Wenn jedoch die Fermentationszeiten durcheinandergeraten, führt dies dazu, dass wichtige Verbindungen namens Polyphenole zu früh ausfallen – mit der Folge einer unangenehmen, rauen Textur statt der gewünschten Geschmackstiefe am Gaumen. Laut Tests von Branchenexperten erzielt man das beste Gleichgewicht zwischen reichhaltigen Glutamat-Aromen und einer angemessenen Tanninentwicklung, wenn man ein Teil schattengezogener Blätter mit zwei Teilen regulär sonnengewachsener Blätter mischt. Dieser Ansatz sorgt dafür, dass der Tee auch nach mehrmaligem Aufgießen klar bleibt, ohne Rückstände zu hinterlassen oder jenen stechenden Geschmack hervorzurufen, den viele Verbraucher ablehnen.
Sortenspezifische Reaktionen auf eine gemischte Verarbeitung von Teeblättern
Enzymatische Stabilität der Sorten Da Hong Pao, Yabukita und AV2 während der Co-Fermentation
Wenn Teeproduzenten verschiedene Sorten wie den oolongbasierten Da Hong Pao, den grünteezentrierten Yabukita und die Hybrid-Sorte AV2 miteinander mischen, erzeugen sie tatsächlich eine enzymatische Inkompatibilität, die eine einheitliche Verarbeitung erschwert. Bei Raumtemperatur von etwa 25 Grad Celsius erreicht das Enzym Polyphenoloxidase des Yabukita seine maximale Aktivität rund 40 Prozent schneller als beim Da Hong Pao, während AV2 dazwischen liegt. Diese zeitliche Differenz führt während der Oxidation zu zahlreichen Problemen: Der Yabukita verliert seine Catechine zu früh, wodurch der Da Hong Pao unterentwickelt wirkt und die Umwandlung bei AV2 inkonsistent verläuft. Geschmacklich bedeutet das weniger blumige Noten und stärker durchschlagende, bittere Tannine. Eine Temperaturregelung hilft zwar etwas, löst aber nicht alle Probleme vollständig. Laboruntersuchungen zeigen, dass eine Senkung der Fermentationstemperatur von üblichen 28 °C auf 22 °C die enzymatischen Unterschiede um rund 28 % verringert. Selbst mit diesen Anpassungen führt die gemeinsame Fermentation mehrerer Sorten jedoch immer noch zu einem Rückgang wichtiger Aromastoffe wie Linalool und Geraniol um 15 bis 22 Prozent. Um eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen, verarbeiten erfahrene Produzenten entweder jede Sorte separat und mischen sie erst später oder kombinieren die Sorten nach Abschluss der jeweiligen Einzelverarbeitung – statt versuchen, gemischte Chargen bereits während der Fermentation zu verarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
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Wie Terroir die Chemie und Verarbeitungspotenziale von Teeblättern beeinflusst
- Kathechin, Theanin und Polyphenol Variation in Fujian, Assam, Uji und Darjeeling Teeblatt
- Höhenlage, Boden-pH-Wert und saisonales Klima als Treiber der enzymatischen Aktivität in frischem Teeblatt
- Sensorische Verträglichkeit von Teeblättern aus verschiedenen Herkunftsregionen
- Sortenspezifische Reaktionen auf eine gemischte Verarbeitung von Teeblättern